Masking bedeutet, autistische Merkmale bewusst oder unbewusst zu verstecken, um gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen.
Es ist ein Überlebensmechanismus – oft erlernt über Jahre.
Beispiele dafür sind:
- Blickkontakt herstellen, obwohl es sich unangenehm anfühlt
- Lächeln, obwohl man sich überfordert oder traurig fühlt
- Smalltalk führen, obwohl es anstrengend ist
- Mimik nachahmen, um „normal“ zu wirken
- Stimming (z. B. mit den Händen wippen, Dinge drehen) unterdrücken, obwohl es beruhigt
Masking kann auch bedeuten, sich ständig selbst zu überwachen:
„Verhalte ich mich gerade richtig?“
„Wirke ich komisch?“
„Ist das, was ich sage, okay?“
Warum maskieren autistische Menschen?
Viele von uns haben früh gelernt:
So wie ich bin, ist es nicht okay.
Vielleicht, weil man ausgelacht wurde.
Vielleicht, weil Eltern oder andere Menschen „normaleres Verhalten“ eingefordert haben.
Oder vielleicht, weil man dazugehören wollte – um nicht ausgeschlossen zu werden.
Masking entsteht dort, wo Verständnis fehlt und Anpassung erwartet wird.
Die Folgen von Masking
Masking ist nicht harmlos. Es kostet Kraft – und hinterlässt oft Spuren:
- Erschöpfung nach sozialen Kontakten („Social Hangover“)
- Angststörungen oder Depressionen, weil man sich dauerhaft „verstellen“ muss
- Identitätsverlust: Wer bin ich, wenn ich nicht maskiere?
- Späte Diagnosen – weil das Masking so überzeugend ist, dass selbst Fachleute den Autismus übersehen
Besonders viele autistische Frauen maskieren stark – und bleiben deshalb oft lange unerkannt!
Meine persönliche Erfahrung
Ich habe bis ins Erwachsenenalter nicht gewusst, dass ich autistisch bin.
Ich wusste nur: Ich bin häufig müde, schnell überreizt, funktioniere irgendwie, versuche mich meinem Gegenüber immer sehr anzupassen und habe trotzdem immer wieder Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich und mit sozialen Kontakten. Dieses starke Anpassen rührte daher, dass ich nichts falsch machen wollte und eine riesige Angst vor Fehlern und Ausgrenzung hatte. Das hat dann über die vielen Jahre hat dazugeführt, dass ich nicht mehr wusste, wer ich bin – ich hatte meine Identität irgendwie verloren.
Heute weiß ich:
Ich habe fast mein ganzes Leben maskiert.
Ich habe funktioniert bis ich es nicht mehr konnte.
Die Diagnose war dann nach einer gewissen Trauerphase (darüber, dass ich mich so verloren und quasi so lange geleugnet hatte) eine Erleichterung. Ein Schlüssel. Eine Rückkehr zu mir.
Warum wir über Masking sprechen müssen
Masking macht Autismus unsichtbar – und damit auch die Bedürfnisse, die dazugehören.
Nur wenn wir darüber sprechen, kann Verständnis wachsen!

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