Bevor ich genauer darauf eingehe, was Autismus bedeutet, finde ich es wichtig deutlich zu machen, dass Autismus keine einzelne, einheitliche Diagnose ist, sondern das der Begriff Autismus-Spektrum, ein Spektrum neurologischer Unterschiede beschreibt.
Diese neurologischen Unterschiede können sich in der Ausprägung, im Alltag und in der Persönlichkeit sehr unterschiedlich zeigen. Es gibt nicht den einen Autismus, sondern viele verschiedene Varianten.
Es gibt Menschen, die sehr zurückgezogen leben und solche, die viel kommunizieren. Einige brauchen im Alltag Unterstützung und andere sind beruflich sehr erfolgreich. Viele liegen irgendwo dazwischen.
Wenn man das Wort Autismus hört, denken viele Menschen an Personen, die nicht sprechen, keinen Blickkontakt halten oder in ihrer eigenen Welt leben. Doch die Realität ist viel vielfältiger und deswegen spricht man heute auch vom Autismus-Spektrum.
Ich werde auf meiner Seite bewusst nicht von einer Autismus-Spektrum-Störung sprechen, weil ich den Begriff „Störung“ als defizitär und nicht angemessen finde. Ich gehe auch nicht darauf ein, dass Autismus früher in Unterkategorien unterteilt wurde, da die Übergänge fließend sind und keine zwei Menschen im Autismus-Spektrum gleich sind.
Woran erkennt man Autismus?
Autismus zeigt sich typischerweise in drei Bereichen:
1. Soziale Interaktion & Kommunikation
Autistische Menschen verarbeiten soziale Signale auf andere Weise.
Das kann bedeuten:
- Schwierigkeiten, Mimik, Gestik oder Tonfall richtig zu deuten
- Gesprächsregeln wie Smalltalk, Ironie oder „zwischen den Zeilen lesen“ fallen schwer
- sehr direkte, klare Kommunikation – oft ehrlich und ungeschönt
2. Wahrnehmung & Reizverarbeitung
Die Welt wird oft intensiver wahrgenommen:
- Geräusche, Licht, Berührungen können schnell zu viel werden (Reizüberflutung)
- manche Reize werden gar nicht oder sehr stark empfunden
- viele autistische Menschen haben sensorische Besonderheiten (z. B. Geruchsempfindlichkeit, visuelle Reizempfindlichkeit)
3. Routinen & Spezialinteressen
- Wiederholungen, feste Abläufe und Struktur geben Sicherheit
- Veränderungen können herausfordernd sein
- oft gibt es sehr intensive Interessen – sogenannte Spezialinteressen, in die viel Wissen, Begeisterung und Energie fließen
Autismus ist keine Krankheit
Autismus ist keine psychische Störung oder Krankheit, sondern eine neurodivergente Art, die Welt zu erleben.
Das Gehirn verarbeitet Informationen einfach anders.
Was für Außenstehende „merkwürdig“ wirkt, hat für Betroffene oft gute Gründe. Viele Schwierigkeiten entstehen nicht durch Autismus selbst, sondern durch ein Umfeld, das nicht mitdenkt oder falsch reagiert.
Warum mir Aufklärung so wichtig ist
Viele autistische Menschen maskieren ihr Verhalten, um dazuzugehören, oft auf Kosten der eigenen Kraft und Gesundheit.
Viele Eltern, Lehr- und Fachkräfte sind unsicher, weil ihnen das Wissen fehlt.
Autismus ist nicht das Problem. Unwissen und Vorurteile sind es!

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