Viele autistische Menschen erleben im Alltag regelmäßig Reizüberflutung.
Das Gehirn filtert dabei nicht automatisch unwichtige Reize heraus, sondern verarbeitet sehr viele Eindrücke gleichzeitig und oft intensiver.
Es kommt also zu einer Überlastung durch zu viele Reize aus der Umgebung.
Diese Reize können visuell (Licht, Bewegung), auditiv (Geräusche, Stimmen), olfaktorisch (Gerüche) oder taktil (Berührungen, Kleidung) sein.
Beispiele für mögliche Auslöser können sein:
- grelles oder flackerndes Licht
- laute Umgebungen, viele Stimmen auf einmal
- starke Gerüche
- enge Kleidung oder bestimmte Stoffe
- Menschenmengen oder soziale Situationen
- Reizkombinationen über längere Zeit
Wie äußert sich Reizüberflutung?
Reizüberflutung kann sich je nach Person unterschiedlich zeigen.
Häufige Anzeichen sind:
- starke Reizbarkeit oder Rückzug
- Konzentrationsprobleme
- Sprachlosigkeit oder verlangsamte Sprache
- Nervosität, Stress, Anspannung
- Meltdown (emotionaler Ausbruch) oder Shutdown (innerer Rückzug)
Diese Reaktionen sind nicht übertrieben, sondern eine Schutzreaktion des Körpers.
Es wichtig dabei zu wissen, dass Reizüberflutung keine Überempfindlichkeit ist, sondern eine andere Art der Wahrnehmung. Die betroffene Person kann ihre Reaktion in dem Moment nicht steuern.
Was für neurotypische Menschen „normal“ ist, kann für autistische Menschen extrem anstrengend sein.
Was hilft im akuten Moment?
- Rückzugsort aufsuchen
- Licht dimmen, Geräusche reduzieren
- bekannte, beruhigende Reize nutzen (z. B. Kopfhörer, Sonnenbrille, Gewichtsdecke)
- Menschen im Umfeld informieren (wenn möglich, vorab)
Wichtig ist, dass in dem Moment kein Gespräch oder Erklären notwendig ist, sondern Ruhe entscheidend ist.
Möglichkeiten zur Vorbeugung von Reizüberflutung:
Vorbeugung durch die betroffene Person selbst:
- Tagesstruktur mit Pausen schaffen
- reizarme Umgebung herstellen
- Hilfsmittel wie Noise-Cancelling-Kopfhörer, Sonnenbrille, Caps
- klare Kommunikation über die eigenen Grenzen
- frühzeitiges Erkennen von Überlastungssignalen
Vorbeugung durch das Umfeld:
- Rückzugszeiten respektieren, Rückzugsmöglichkeiten schaffen
- nicht drängen oder diskutieren
- ruhig bleiben und Sicherheit vermitteln
- Verständnis im Umfeld – keine Vorwürfe, kein Druck
Reizüberflutung ist eine echte Überforderung für das Nervensystem.
Sie lässt sich nicht durch „Zusammenreißen“ regulieren!

No Comments