Stimming ist eine Abkürzung für self-stimulatory behavior (selbststimulierendes Verhalten). Damit sind Bewegungen, Geräusche oder andere wiederholte Handlungen gemeint, die helfen, Gefühle zu regulieren, Reize zu verarbeiten oder einfach Wohlbefinden zu erzeugen.
Beispiele für Stimming können sein:
- Mit den Händen wedeln
- Hin- und herwiegen
- Summen oder bestimmte Geräusche wiederholen
- Mit einem Gegenstand spielen oder klicken
- Muster zeichnen oder Strukturen ertasten
Warum stimmen Menschen?
Stimming ist für viele autistische und generell neurodivergente Menschen eine wertvolle Strategie, um mit der Umwelt umzugehen. Es kann beruhigen, Freude ausdrücken, Stress abbauen oder helfen, sich zu konzentrieren. Manchmal ist Stimming auch einfach eine Form von Selbstfreude, so wie andere Menschen vielleicht unbewusst mit dem Fuß wippen oder einen Stift drehen.
Leider wird Stimming oft missverstanden. Außenstehende halten es manchmal für auffällig oder unangemessen dabei ist es oft ein wichtiger Teil der Selbstregulation. Das Unterdrücken von Stimming kann Stress erhöhen und sogar zu Überlastung (Overload) oder einem Meltdown führen.
Im Zusammenleben mit meinen Kindern fand ich das Thema Stimming als einer der schwierigsten Themen zu verstehen.
Meine Kinder stimmen sehr viel über Bewegung und Geräusche. Im Alltag bedeutet das, das sie fast nonstop Töne von sich geben und einen hohen Bewegungsdrang haben. Ich habe mich sehr lange gefragt, warum eine Hyperaktivität sicher ausgeschlossen werden kann, obwohl sie motorisch teilweise sehr unruhig sind. Mittlerweile weiß ich, das sie das Stimmen brauchen um ihren Stress abzubauen. Das Ausmaß ihres Stimmens (z.B die Stärke ihres Bewegungs- oder die Intensität ihres Rededrangs) ist dabei ein Indikator für den Stress, den sie durch ihre stark ausgeprägte Anpassung (Masking) in der Außenwelt (z.B. Kindergarten & Schule) erlebt hatten, darstellt. Das Stimmen hilft ihnen die ganzen Reize vom Vormittag zu verarbeiten und zu entspannen. Besonders in hektischen oder in für sie unsicheren Situationen, wo sie unter Druck geraten, wird viel gestimmt.
Wie kann man unterstützend reagieren?
- Akzeptieren, dass Stimming wichtig und wertvoll ist
- Nicht drängen, es zu unterbinden, solange es niemandem schadet
- Verständnis zeigen – auch in öffentlichen Situationen
- Möglichkeiten schaffen, frei zu stimmen (z. B. durch Fidget Toys = Gegenstände, zum in der Handspielen/herumfummeln, können der Beruhigung und Konzentration dienen)
Da ich selbst auch sehr reizoffen, geräuschempfindlich und schnell überlastet von zu viel verschiedenen Außenreizen bin, fällt es mir auch nicht immer leicht Verständnis für das Verhalten meiner Kinder aufzubringen. Ich erwische mich immer wieder dabei wie ich versuche das Stimmen bei meinen Kindern zu unterbinden. Das ist natürlich nicht förderlich. Ich arbeite aber auch weiter daran, immer mehr Verständnis sowohl für die Bedürfnise meiner Kinder als auch für meine eigenen Bedürfnisse zu haben. Das bedeutet auch für meine Selbstregulation und für mein Wohlbefinden zu sorgen.
Was wichtig zu betonen ist
Stimming ist kein Fehler, den man abtrainieren muss sondern eine wichtige Ausdrucks- und Bewältigungsstrategie. Wenn wir es verstehen und akzeptieren, schaffen wir einen sicheren Raum, in dem neurodivergente Menschen so sein können, wie sie sind.

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