Verbinden & Berühren

Übergänge

28. Januar 2026

Übergänge – wenn der nächste Schritt zu viel ist

Heute möchte ich über ein Thema schreiben, das im Alltag manchmal wenig Beachtung findet und doch so viele herausfordernde Situationen begleitet: Übergänge.

Es sind die Momente, in denen wir unsere Kinder auffordern, etwas zu tun,
und feststellen, dass der nächste Schritt für das Kind gerade zu viel ist.

Von außen sehen wir oft nur, dass unser Kind nicht reagiert, der Aufforderung nicht nachkommt
oder sehr lange braucht, um die gewünschte Tätigkeit zu beginnen.

Wir brauchen gefühlt unendlich viel Geduld.
Tag für Tag. Situation für Situation.

Und im Alltag verstehen wir nicht, was denn „nur“ so schwer daran ist, einfach loszulegen oder in die nächste Situation zu wechseln.

Typische Übergänge sind zum Beispiel:

  • vom Spielen zum Essen
  • vom Anziehen zum Losgehen
  • vom Tag zur Nacht

Und wir ertappen uns bei Gedanken wie:

„Mach doch einfach mal.“
„Stell dich nicht so an.“
„Das ist doch nicht so schwer.“

Wir werden ungeduldig. Das ist menschlich. Und verständlich. Doch diese Aufforderungen gehen oft an dem vorbei,
was das Kind in diesem Moment tatsächlich erlebt.

Es geht nicht um Trotz

Das Problem ist nicht fehlender Wille, Trotz oder Verweigerung.

Sondern ein Nervensystem, das gerade keine Kapazität mehr hat, den nächsten Schritt zu gehen.

Für viele Kinder sind Übergänge anstrengend, für Kinder im Autismus-Spektrum können sie sehr überfordernd sein. Nicht, weil sie nicht wollen sondern weil ihr Nervensystem in diesem Moment sehr viel gleichzeitig verarbeiten muss.

Was für uns wie eine Kleinigkeit wirkt,
ist für autistische Kinder häufig ein komplexer Prozess:

  • eine Situation endet
  • Sicherheit geht verloren
  • etwas Neues beginnt
  • Erwartungen verändern sich
  • Reize wechseln
  • die innere Ordnung gerät ins Wanken

Und all das geschieht gleichzeitig.

Wenn Übergänge zu abrupt sind

Werden Übergänge abrupt gestaltet, entsteht Stress. Das Nervensystem kann nicht mithalten. Aus Stress wird dann Überforderung.

Was autistischen Kindern in Übergängen hilft, ist deshalb nicht mehr Konsequenz sondern mehr Verständnis.

Vorbereitung statt Überraschung, Ankündigung statt Abbruch und Ruhe statt Tempo.

Es kann hilfreich sein, wenn Übergänge:

  • angekündigt werden
  • in kleine Schritte aufgeteilt werden
  • Zeit bekommen
  • begleitet werden

Manchmal braucht es Worte, manchmal Bilder oder Rituale oder einfach nur das Wissen: Ich werde hier nicht gedrängt.


Weg vom Kampf, hin zur Beziehung

Wenn wir diese Mechanismen nicht kennen und immer mehr fordern, bewerten wir die Situation außerhalb ihres eigentlichen Kontextes. Ohne dieses Wissen kann es passieren, dass Übergänge regelmäßig eskalieren.

Dieses Wissen verschiebt den Blick: weg vom Kampf, hin zum Verstehen, weg von Bewertung hin zu Beziehung.

Dieser Weg ist ein Prozess.
Er gelingt nicht von heute auf morgen und sieht in jeder Familie anders aus.


Kein Versagen

Wenn Übergänge scheitern, ist das kein Versagen, weder des Kindes noch der Eltern. Wenn Übergänge regelmäßig eskalieren, ist das kein Zeichen falscher Erziehung. Es ist ein Hinweis darauf, dass ein Nervensystem gerade überlastet ist.

Kinder gehen nächste Schritte nicht, weil man sie dazu drängt. Sondern weil sie sich sicher genug fühlen,
sie gehen zu können.

In Übergängen kommt es weniger darauf an, zu fordern sondern mehr darauf, sie zu begleiten.

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