Zwänge, Tics und Routinen auseinanderzuhalten ist gar nicht so einfach. Gleichzeitig ist es ein wichtiges Thema, weil es im Alltag von Familien große Verunsicherung auslösen und zu Missverständnissen führen kann.
Typische Situationen im Alltag
1. „Warum macht mein Kind diese Bewegung immer wieder?“
Ein Kind blinzelt ständig, zuckt mit den Schultern oder verzieht immer wieder das Gesicht. Eltern fragen sich, ob es sich um eine Gewohnheit, eine Nervosität oder einen Tic handelt.
2. „Warum muss alles immer genau gleich sein?“
Das Kind möchte jeden Tag denselben Weg gehen, besteht auf festen Abläufen oder reagiert sehr stark, wenn etwas plötzlich anders läuft. Außenstehende interpretieren das manchmal als Zwang, tatsächlich kann es sich aber um eine wichtige Routine handeln, die Sicherheit gibt.
3. „Warum wiederholt mein Kind bestimmte Handlungen?“
Manche Kinder müssen Dinge mehrmals kontrollieren, zählen oder wiederholen. Für Eltern ist es oft schwer zu erkennen, ob dahinter ein Zwang steckt oder ein Versuch, mit Unsicherheit oder Stress umzugehen.
Um solche Situationen besser einordnen zu können, ist es hilfreich zu verstehen, wie sich Zwänge, Tics und autistische Routinen unterscheiden.
Zwänge
Zwänge können sich durch Zwangsgedanken und Zwangshandlungen äußern. Sie gehen häufig mit einem hohen Leidensdruck einher und mit dem starken Drang, bestimmte Handlungen immer wieder auszuführen. Außerdem treten Zwänge häufiger als Begleiterkrankung bei Personen im Autismus-Spektrum auf.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Ordnungs- oder Symmetriezwänge
- Kontrollzwänge
- Reinigungs- und Waschzwänge
- Wiederholungs- oder Zählzwänge
- Horten oder Sammeln
Betroffene wissen oft, dass ihre Handlungen eigentlich irrational sind. Trotzdem fällt es ihnen sehr schwer, diese zu unterdrücken, weil durch das Ausführen der Handlung eine starke innere Anspannung oder Angst kurzfristig reduziert wird.
Tics
Tics sind plötzliche, unwillkürliche und sich wiederholende Bewegungen oder Lautäußerungen. Auch Tics können als Begleiterkrankung bei Personen im Autismus-Spektrum auftreten.
Man unterscheidet:
Motorische Tics
z. B. Blinzeln, Grimassieren, Kopfschleudern, Schulterzucken oder Hüpfen
Vokale Tics
z. B. Räuspern, Schniefen, Husten, Bellen oder das Wiederholen von Wörtern
Beim Tourette-Syndrom treten sowohl chronische motorische als auch vokale Tics auf.
Autistische Routinen und Rituale
Zwänge und Tics dürfen nicht mit autistischen Routinen oder Ritualen verwechselt werden.
Für viele Menschen im Autismus-Spektrum haben Routinen eine wichtige Funktion.
Sie schaffen Struktur, Vorhersehbarkeit und Sicherheit im Alltag.
Dazu können zum Beispiel gehören:
- feste Tagesabläufe
- immer gleiche Wege
- bestimmte Abläufe oder Rituale
Diese Routinen wirken oft beruhigend und helfen dabei, Stress zu reduzieren. Wenn jedoch unerwartete Veränderungen auftreten, kann das bei autistischen Menschen starken Stress auslösen.
Veränderungen begleiten
Rituale können wichtige Bewältigungsstrategien sein.
Wenn Veränderungen rechtzeitig angekündigt werden und ausreichend Zeit bleibt, sich darauf einzustellen, kann der Umgang damit deutlich leichter fallen.
Hilfreich kann es sein:
- Veränderungen schrittweise einzuführen
- Pläne oder visuelle Hilfen zu nutzen
- Übergänge gut vorzubereiten
So entstehen mehr Sicherheit und Orientierung im Alltag.
Auf unserem eigenen Weg fiel es mir des Öfteren sehr schwer das Verhalten richtig einzuordnen. Viele Dinge wirkten auf den ersten Blick irritierend oder beunruhigend. Gerade am Anfang unserer Reise fühlte ich mich sehr stark verunsichert und machte mir große Sorgen, dass etwas nicht stimmte.
Mit der Zeit habe ich gelernt, die Verhaltensweisen mehr und mehr voneinander zu unterscheiden.
Dieses Verständnis hat unseren Blick verändert und hilft uns, Situationen im Alltag heute ruhiger und klarer zu begegnen.

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